Smart Home

Das Zuhause auf dem Handy

Von Marisol Caamaño · 2017

Smart Homes versprechen Komfort, Energieersparnis und Sicherheit. Technologieunternehmen setzen schon seit mehreren Jahren auf die stetige Weiterentwicklung der digitalen Vernetzung von Wohnräumen. In der deutschen Bevölkerung stößt das sogenannte intelligente Haus aber auf Skepsis.

Die Garage empfängt Frau S. nach einem langen Arbeitstag bereits mit offenen Türen. Dank der Vernetzung mit dem Smartphone erkennt das Haus, wenn seine Besitzerin in die Straße einbiegt, schaltet die Lichter an und öffnet das Garagentor. Die Heizung hat Frau S. schon im Büro via App aktiviert. Ihre Einkäufe packt Frau S. in den smarten Kühlschrank – der hatte die Einkaufsliste am Mittag per SMS geschickt. Und wenn Frau S. mal in den Urlaub fährt, muss sie sich keine Sorgen um ihr Eigentum machen. Licht und Unterhaltungselektronik sind darauf programmiert, ihre Anwesenheit zu simulieren, die Jalousien fahren in der Abenddämmerung selbstständig herunter und Sensoren registrieren Bewegungen an der Tür. 

Clever und komfortabel

Das intelligente Haus will unser Leben leichter machen. Smart Homes erhöhen die Wohnqualität und tragen zu einer effizienteren Energienutzung bei, indem sie selbstständig die Heizung runterregeln, wenn die Fenster geöffnet sind oder das Licht ausschalten, wenn die Bewohner den Raum verlassen. Mit dem Smartphone vernetzt, lassen sich Licht und Heizung, aber auch Fernseher und andere Hausgeräte aus der Ferne steuern. Doch trotz dieser reizvollen Aussichten stehen die deutschen Verbraucher dem Prinzip des Smart Home kritisch gegenüber. 

Bereits im vergangenen Jahr stand die digitale Vernetzung von Gegenständen im Fokus der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Industrie und Politik sehen besonders in Smart-Home-Produkten ein großes Potenzial für die deutsche Wirtschaft. Jedoch lassen sich die Konsumenten bitten. Gerade einmal drei Prozent der deutschen Haushalte nutzen eine smarte Heizungssteuerung, hat die Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (GFU) ermittelt. Und nur etwa zwei bis acht Prozent der Deutschen spielen mit dem Gedanken, sich in den kommenden zwölf Monaten ein intelligentes, internetgebundenes Haushaltsgerät anzuschaffen. Das ergab eine Umfrage der Medienagentur Mindshare unter 1049 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren. 

Sicherheit im Blick

Gründe für die mangelnde Begeisterung für die smarten Wohnlösungen sahen die Befragten in der stetig wachsenden Abhängigkeit von der Technik, in den hohen Kosten der Komplettvernetzung und in so mancher Region im fehlenden Breitbandnetz. Vor allem aber die Sorge um die Sicherheit der Geräte und der von ihnen generierten Daten hält die Deutschen noch ab. Kein Wunder, sind die vernetzten Geräte doch Einfallstore für Schadsoftware. Kriminelle können über die IP-Cam des Fernsehers ins Wohnzimmer schauen oder aus der Ferne moderne Tiefkühlschränke ausknipsen. Und sie können die drahtlos versendeten Daten abgreifen. 

„Wir haben es bei Smart-Home-Lösungen mit grundsätzlichen Themen der IT-Sicherheit zu tun, zum Beispiel der regelmäßigen Verteilung von Sicherheitsupdates, Passwort-Sicherheit, Netzwerksicherheit oder Verschlüsselung“, heißt es beim Branchenverband Bitkom. Des Gefahrenpotenzials der vernetzten Geräte sind sich aber auch die Smart-Home-Hersteller bewusst. Sie haben sich unter anderem auf einheitliche, gut verschlüsselte Funkstandards geeinigt, die Hackern das Leben schwer machen sollen. Außerdem werden auch smarte Alarmsysteme zusätzlich mit physischen Extras – zum Beispiel Feuer- und Wasserbeständigkeit – vor Manipulation geschützt.